Es war eine super Zeit!

Kürzlich beendete Eihab – ein syrischer Flüchtling – sein Praktikum bei der Aicher Ambulanz. Wir haben ihn an seinem letzten Tag interviewt.

Am 24.3.2017 beendete Eihab – ein syrischer Flüchtling – sein 3-wöchiges Praktikum bei der Aicher Ambulanz Union. Der 21-jährige ist seit rund einem Jahr und zwei Monaten alleine in Deutschland – ohne Familie, ohne Freunde – ganz auf sich alleine gestellt. Kurze Zeit nach seiner Ankunft verlegten die deutschen Behörden seinen Wohnort aus einer Massenunterkunft in Freilassing in die kleine bayerische Gemeinde Fridolfing. Dort lernte er jemanden kennen, der ihm seine Unterstützung anbot, seine Begeisterung für die Medizin erkannte und förderte. Zu Eihabs großer Freude stellte er den Kontakt zur Aicher Ambulanz Union her und vermittelte ihm dort ein Praktikum. Natürlich interessierten uns seine Erlebnisse und Erfahrungen – deshalb haben wir ihn an seinem letzten Tag interviewt.

Ulrike Krivec

Unternehmenskommunikation

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presse@aicher-ambulanz.de

Eihab während seines Praktikums in einem Rettungswagen

Eihab, du warst nun drei Wochen lang bei uns und konntest in verschiedene Unternehmensbereiche reinschnuppern. Wie hast du die Zeit hier erlebt?

Es war super und die Zeit hier hat mir sehr gut gefallen! Alle waren immer sehr freundlich zu mir und wollten mir etwas beibringen. Das finde ich toll, denn dadurch lerne ich sehr viel.

Es war super und die Zeit hier hat mir sehr gut gefallen!

Eihab, Praktikant

Von welchen Unternehmensbereichen konntest du dir ein genaueres Bild machen?

Ich habe die Zeit gut genutzt und habe mir sehr viele Bereiche ansehen können. Zu Beginn war ich kurze Zeit in der Leitstelle und konnte auch den Schichtführer bei einigen Tätigkeiten unterstützen. Anschließend hatte ich die Gelegenheit, einige Tage lang die KollegInnen des Sanitätsdienstes zu begleiten. Das hat mir sehr gut gefallen! Zu guter Letzt fuhr ich als Dritter auf einem Krankenwagen und auch auf einem Rettungswagen mit. Das war toll!

Ist dir einer deiner Einsätze besonders im Gedächtnis geblieben?

Oh ja, das war ein Einsatz auf dem Rettungswagen. Ein älterer Mann war auf einer Rolltreppe gestürzt und sehr hart mit dem Kopf aufgeschlagen. Da er nicht mehr sagen konnte, ob er gestolpert war oder ihm schwindelig wurde, haben wir neben der Versorgung der Wunde an seinem Kopf auch ein EKG geschrieben und seinen Blutzucker gemessen. Da habe ich auch gemerkt, dass ich noch einiges lernen muss. Mein Team hat mir zwar vieles beigebracht, aber die Theorie hierzu fehlt mir noch.

Eihab während seines Praktikums mit seinem Team

Du hattest zu Beginn deines Praktikums erwähnt, dass es dein großer Wunsch sei, die Ausbildung zum Notfallsanitäter zu absolvieren. Wie siehst du das heute?

Ja, diese Ausbildung möchte ich unbedingt machen. Ich habe das auch mit Kornelia Szeöke besprochen. Sie war während meiner Zeit bei der Aicher Ambulanz Union für mich zuständig. Da die Berufsausbildung zum Notfallsanitäter sehr anspruchsvoll ist, möchte ich erst noch einen zusätzlichen Deutschkurs machen, um sprachlich noch sicherer zu werden. Dennoch ist die Zeit nicht verloren. Wir haben gemeinsam vereinbart, dass ich bereits jetzt die Vorstufen der Ausbildung Stück für Stück machen könnte. Das heißt, dass ich mit dem Sanitätshelfer beginne und mich bis zum Rettungssanitäter vorarbeite.

Das würde dir auch ermöglichen, bis zum Ausbildungsbeginn 2018 bereits Geld zu verdienen?

Genau! Ich könnte bereits als Fahrer auf einem Krankenwagen tätig werden oder auch auf Sanitätsdiensten zum Einsatz kommen. Zuvor muss ich jedoch noch meinen Führerschein machen – diesen habe ich aber in circa zwei Monaten fertig.

Um bei uns arbeiten zu können, bräuchtest du auch noch eine Wohnung in München. Was wäre hierzu deine Vorstellung?

Am liebsten wäre mir ein WG-Zimmer mit Deutschen in meinem Alter. Das gäbe mir die Möglichkeit, einerseits die Sprache zu üben und andererseits unter Leuten zu sein. Alleine möchte ich ungern leben. Ich bin aber ganz zuversichtlich, dass ich mit etwas Hilfe ein Zimmer finden werde.

Was machst du bis dahin?

Momentan mache ich noch den Bundesfreiwilligendienst im Krankenhaus Fridolfing. Das mache ich gerne, da ich dort ebenfalls mit Menschen – mit Patienten – arbeiten darf.

Hattest du diesen Berufswunsch bereits in deiner Heimat?

Ja, bereits in meiner Heimatstadt Homs war es mein Wunsch, entweder bei der Polizei oder aber in der Notfallrettung zu arbeiten. Darüber habe ich sehr viel nachgedacht – letztlich ist meine Entscheidung auf die Notfallrettung gefallen. Hierfür habe ich meine Leidenschaft entdeckt, da mir diese Tätigkeit ermöglicht, Menschen direkt zu helfen.

Jetzt habe ich die Chance, meine Zukunft aktiv zu gestalten und mir eine Perspektive zu schaffen.

Eihab H.

Hättest du diesen Berufswunsch in Syrien überhaupt verwirklichen können?

Wir alle kennen die momentane Lage. In Syrien hätte ich unter den aktuellen Bedingungen nicht die Möglichkeit gehabt, mich in diese Richtung weiterzubilden. Auch das ist ein Grund, weshalb ich meine Zukunft in Deutschland sehe. Zurückzukehren ist zudem nicht möglich, da ich direkt zum Militär müsste.

Denkst du noch oft an deine Heimat? Hast du Heimweh?

Ich denke zwar an meine Heimat und an die Zeit dort. Anfangs war ich ganz alleine hier, aber inzwischen habe ich Freunde gefunden und zu meiner Familie pflege ich den Kontakt über Skype. Ich richte mich nun voll und ganz auf die Zukunft aus. Es ergibt für mich keinen Sinn, der Vergangenheit nachzutrauern. Jetzt habe ich die Chance, meine Zukunft aktiv zu gestalten und mir eine Perspektive zu schaffen. Was war, ist vergangen, und das kann ich nicht mehr ändern.


AICHER AMBULANZ UNION:
Eihab, wir danken dir für deine offenen Worte. Wir freuen uns, dich bald wieder hier bei uns begrüßen zu dürfen und wünschen dir alles Gute.